Rechtsform-FAQ — UG, GmbH & Partnerschaft

Alle Fragen, die wir zum Thema Rechtsform durchgespielt haben — an einem Ort, für uns drei. 🔒 Nur intern, nicht indexiert.

⚠️ Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Der finale Feinschliff (Gesellschaftsvertrag, Haftung, Steuern, konkrete Zahlen) gehört vor Steuerberater/Anwalt (Kehl & Walter).

Das Wichtigste in 4 Sätzen

1 Zusammen gründen oder jeder für sich?

Zwei getrennte Fragen: (A) gemeinsame Gesellschaft ja/nein · (B) jeder für sich Einzelunternehmer oder eigene UG/GmbH.

Zusammen bringt: ein Auftritt, größere Mandate, geteilte Haftung. Dagegen: Sozialrecht-Blocker (Krankengeld/Einstiegsgeld), Gewinnteilung ab Tag 1, gebundenes Kapital + Fixkosten, schwer reversibel.

Netzwerk bringt: volle Autonomie, sozialrechtlich sauber, reversibel, trotzdem Team-Wirkung. Die eine Kippstelle: umsatzgeteilte Deals ohne saubere Trennung = automatisch GbR mit voller Haftung → pro Deal: einer führt, eigene Rechnung.

→ Für unsere Phase: Netzwerk. Gemeinsame Gesellschaft = Later.

2 Wenn wir zusammen gründen: UG oder GmbH?

UG und GmbH sind zu ~90 % identisch. Zu dritt kippen zwei der drei Unterschiede Richtung GmbH:

→ Empfehlung: GmbH. UG nur, wenn das Kapital wirklich klemmt und wir erst testen wollen.

3 Wie viel Kapital braucht eine UG?

Gesetzlich ab 1 € — aber muss zu 100 % voll eingezahlt werden (keine Hälfte-Regel wie bei der GmbH, keine Sacheinlagen). Die 1-€-UG ist Unsinn (Gründungskosten würden sie sofort überschulden). Praxis: ~6.000–9.000 € gesamt als Polster (~2.000–3.000 € p. P.). Plus Rücklagenpflicht (25 % des Gewinns bis 25.000 €).

4 Stammkapital & Einlagen — was muss wirklich aufs Konto?

Zwei verschiedene Zahlen: Stammkapital = die Zahl auf dem Papier · Einlage = was davon echt eingezahlt wird.

 Zum Start echt aufs Kontop. P. (zu dritt)Später fällig
GmbH12.500 € (Hälfte von 25k)~4.167 €~4.167 € (Resteinlage)
UGfrei wählbar, aber voll (z. B. 6–9k)~2.000–3.000 €keine

5 Ist dieses Geld „weg"?

Nein. Die Einlage ist kein „Preis fürs Gründen" — sie wandert aufs Firmenkonto und liegt dort als Startkapital, mit dem wir arbeiten (Tools, Software, Ausgaben der Firma). Nur eine Umschichtung von Privat- auf Firmenkonto. Echte Kosten sind allein Notar + Handelsregister (~paar hundert bis ~1.000 €).

6 UG später in GmbH umwandeln — kostet das nochmal?

Ja. Eine UG ist juristisch schon eine GmbH — „umwandeln" heißt: Stammkapital auf 25.000 € erhöhen + Namen ändern. Beides sind Satzungsänderungen → wieder notariell zu beurkunden (zweiter Notartermin + HR-Gebühren, ggf. testierte Bilanz). Kein Vermögen, aber der Notar wird ein zweites Mal für denselben Schritt bezahlt.

→ Deshalb: Wenn wir eh GmbH werden wollen und das Kapital tragbar ist → direkt GmbH ist günstiger. (Umwandeln müssen wir nie — eine UG darf auch über 25k hinaus UG bleiben.)

7 Haftung — Unterschied UG vs. GmbH?

Beim Prinzip identisch: die Gesellschaft haftet mit ihrem Vermögen, nicht wir privat. Und: kein Gesellschafter haftet privat für die Fehler eines anderen (anders als in der GbR — das stärkste Argument gegen die GbR).

Die zwei echten Unterschiede: UG hat dünnere Haftungsmasse; bei der GmbH ist die offene Resteinlage (~12.500 €) im Insolvenzfall nachschusspflichtig.

Wichtiger — wo die Beschränkung bei BEIDEN durchbrochen wird (persönliche Haftung trotz UG/GmbH):

→ Wichtigster Hebel ist nicht UG-vs-GmbH, sondern: Kapitalgesellschaft statt GbR + Berufs-/Vermögensschadenhaftpflicht (paar hundert €/Jahr) + GF-Rolle bewusst besetzen.

8 Was sind die einzigen Vorteile der UG gegenüber der GmbH?

Alles andere ist gleich (Haftung, Notar-/Bilanzpflicht, Steuern) oder schlechter (Außenwirkung, Rücklagenzwang, späterer Umwandlungs-Notar). Und der eine Vorteil ist geliehen, nicht geschenkt: das gesparte Kapital holt uns über Zwangs-Rücklage + zweiten Notar wieder ein.

→ Einziger belastbarer UG-Grund: „wir wollen die ~12.500 € gerade nicht binden". Ist das kein Problem, hat die UG keinen Vorteil, der die Nachteile aufwiegt.

Wichtiger als UG-vs-GmbH: der Gesellschaftsvertrag

Bei drei Partnern entscheidet der Gesellschaftsvertrag mehr über unser Wohl als die Rechtsform. Vorher sauber regeln:

→ Für drei Partner ein individueller Gesellschaftsvertrag (nicht das billige Musterprotokoll). Fortgeschritten fürs StB-Gespräch: Anteile über je eine eigene Holding-UG halten → spätere Ausschüttungen/Exit steuerlich günstiger.

Stand: 2026-07-12 · Zusammengefasst aus unseren Trio-Fragen · Orientierung, keine Rechts-/Steuerberatung — final mit Kehl & Walter.